Vita

Ich bin am 25. April in Zürich auf die Welt gekommen und in einer für damalige Verhältnisse äusserst modernen und vorbildlich organisierten Siedlung zwischen Zentralfriedhof und Fussballstadion aufgewachsen. Die vielen Kinder, die dort spielten, bis sie todmüde waren und von robusten Mutterstimmen nach Hause gerufen wurden, sind bis heute noch wie ein fernes Hintergrundleuchten meiner Texte.

Neben meinem Schreiben habe ich immer wieder als Lehrer und Dozent in diversen Institutionen gearbeitet. Zeitweilig war ich als Dramaturg an verschiedenen Theatern und kurze Zeit auch als Hörspielregisseur bei Radio SFR tätig. Angefangen habe ich mit Reportagen für Zeitungen, die es schon lange nicht mehr gibt.

Meine literarischen Anfänge verdanke ich der Unmöglichkeit, einen Film zu drehen, denn sowas wollte ich. Ich war einundzwanzig und glaubte, heftig in Bildern zu denken. Ich hatte auch immer, wenn ich durch die Strassen ging, diesen seltsam filmischen Blick drauf. Doch woher Geld und Produktionsmittel nehmen? Die Schweiz war und ist, abgesehen von einer kurzen goldenen Ära in der Romandie, kein Filmland. Die Filmemacher von damals waren fast ausschliesslich mutige Söhne mit beachtlichem erbschaftlichen Background.

So kam ich aufs Hörspiel. Hörspiele waren für mich eigentlich Hörfilme. Wie in realen Filmen kann man bei Hörspielen mit Rückblenden arbeiten, mit Schnitten und Überblendungen, mit Kommentaren und direkten Dialogen. Für meine Imaginationen war das Hörspiel das ideale Medium. Kam noch dazu, dass damals die Radiostudios noch grosszügig sein durften, mutig und ambitioniert.

Über diese Hörspiele kam ich dann zum Theater. Ich wollte vom intimen Hörkino weg zu etwas, das gröber war und grössere Drastik erlaubte, zu bramarbasierenden Wort-Komödien und zivilisationsmüden, zivilisationskritischen Dramen.

Vom Theater am Neumarkt bekam ich den Auftrag, zu Figuren wie Jean-Paul Marat und seiner Mörderin Charlotte Corday Szenen zu schreiben. Nach diesem ersten Stück, das von seinem dramaturgischen Aufbau und seinen entfesselten Assoziationen her als eines der ersten in der Schweiz aufgeführten post-modernen Stücke gesehen und dementsprechend mehrheitlich verrissen wurde, kam es zu einer anhaltenden Zusammenarbeit mit der aus Berlin kommenden Regisseurin Thea Dumsch. Sie inszenierte all meine folgenden Stücke, und ich begleitet sie als Texter in freien Produktionen.

Zwischen zwei Theaterarbeiten heirateten wir.

Seit längerem schreibe ich an einem epischen Roman, der in einer baldigen Zukunft spielt und in einer überempfindlich wie auch vergesslich gewordenen Gesellschaft das prekäre Verhältnis zwischen Tier und Mensch zum Thema hat.

Peter Jost und Thea Dumsch 1999